„I need the rope!“

als ich kürzlich  – eigentlich täglich –  wieder einmal die in den sozialen Medien sehr aktive Coburger Hütte in meine Timeline gespült bekam, – mit der Ehrwalder Sonnenspitze im Hintergrund -, erinnerte ich mich an eine nette Episode aus meiner Kletter-Sturm-und-Drang-Zeit.
By the way frage ich mich,  ob diese jemals endet.


Nun, es ist schon etwas länger her.


10. August 1969

Mit dem deutlich jüngeren Nachbarssohn Fritz Hermann – ich glaube, er war damals 17 – bin ich auf dem Wege zur Ehrwalder Sonnenspitze. Ich erinnere mich nicht, ob  der Lift zur Ehrwalder Alm schon existierte.
wir nehmen den Weg über die Seebenmauer, einen leicht versicherten Steig. Heute heißt er Hoher Gang Klettersteig. Den Seebener (Wassrfall) Klettersteig gab es damals noch nicht.


Der südliche Normalweg auf die Sonnenspitze, ausgeschrieben mit dem Schwierigkeitsgrad 2, führt grob betrachtet in den unteren ¾ der Südwand von links nach rechts durch die stark strukturiertes, teilweise schrofiges  Gelände und  ist im unterer Teil etwas unübersichtlich bezüglich der Wegfindung.
Wir haben unser Kletterzeug dabei – ein Seil, Brustgurt (!!), ein paar Karabiner und Schlingen, Kletterhammer und Haken.
Das alles brauchen wir für diese Tour nicht, aber es könnte ja sein, dass wir irgendwo etwas Schwieriges probieren wollen.


Nach einem Drittel des Anstiegs  –  im Schrofenbereich – hören wir von rechts, also nördlich kommend, Hilferufe…. „Help, Help..“

Ein englischsprachiger Tourist hatte sich verstiegen. Er war einfach zu weit nach rechts in sehr gefährliches Gelände geraten und saß nun fest.
Wir nehmen Rufkontakt auf, besprechen uns kurz. Fritz baut einen Standplatz, ich binde mich ein und quere zu dem Touristen hinüber. Der Rest ist schnell erledigt. Er bekommt eine Behelfsbrustgurt und es geht zwischenfallsfrei und zügig zurück auf den Normalweg.
Unser Tourist möchte dann aber nicht absteigen, sondern auf den Gipfel  – soweit ok -.
Auf die Seilsicherung verzichtet er auch. Also gehen wir zu dritt, er in der Mitte, weiter. Auf dem Gipfelgrat  angekommen, steht man zunächst in einer kleinen Scharte und es beginnt ein kurzer, anfangs durchaus ausgesetzter, schmaler Übergang zum Gipfelkreuz.

Über diesen Grat läuft unser Freund flott und unbeeindruckt von der Ausgesetztheit Richtung Gipfelkreuz. Nach einer kurzen Plauderei und der obligatorischen Brotzeit starten Fritz und ich wieder Richtung Abstieg. Der Tourist schließt sich an.
Nun trennen sich aber Spreu und  Weizen. Er hat größere Schwierigkeiten und  vor einer etwas plattigen Passage noch im oberen Teil ist er am Ende.
Ich war vorausgegangen und bestimmt 20 bis  30m  tiefer.
„I need the rope“.
Ok, ich steige wieder hoch, binde ihn ins Seil, aber mit dem Abklettern klappt es bei unserem Freund auch gesichert nicht. Also lasse ich ihn ab, bis wir wieder in für ihn einigermaßen gehbares  Gelände kommen. Der Rest des Abstiegs gestaltet sich einigermaßen problemlos aber etwas zeitintensiv.
Wir verabschieden uns an der Coburger Hütte.
Der erste Rettungseinsatz! Wir sind Helden der Berge und fühlen uns quasi schon als Bergführer.
Dabei ist der Südwand-Normalweg  erst meine 4. Bergtour. Bei Fritz ist das nicht anders.

Auf der Sonnenspitze stehe ich erst  44 Jahre später wieder; diesmal mit meiner 18-jährigen Tochter.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Fritz und ich hatten noch einige gruselige Kletterevents in der Folgezeit. Dazu mehr demnächst.
Ich muss mal schauen, ob ich ein Bild der Sonnenspitze mit  eingezeichneter Südwandroute finde.

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